Ferdinand von Schirach – Tabu

Gleich zu Anfang kann ich sagen, dieses Buch hat mich gefesselt und oft verwirrt. Ferdinand von Schirach hat einen sehr eigenen Schreibstil. Er bedient sich vieler kurzer Hauptsätze und daran muss man sich erstmal gewöhnen. Mich hat es sehr an Bernhard Aichner erinnert, aber es ist nicht jedermanns Geschmack. Aber ich glaube, es sind diese knappen Sätze, die den Charme ausmachen und die Besessenheit des Protagonisten perfekt zur Geltung bringen.

Nun ein wenig zur Geschichte:

Sobald sich das Licht der Farben

Grün, Rot und Blau

in gleicher Wiese mischt

erscheint es uns als Weiß.

Farbenlehre nach  Helmholtz

Dieses Motto ist dem Buch vorangestellt und so verwundert es einen nicht, dass die einzelnen Teile Farben zugeordnet sind. Wir steigen in der Kindheit von Sebastian ein, einem Jungen, der aus eher ärmlichen und wenig liebevollen Verhältnissen kommt. Eigentlich stammt er aus einer Adelsfamilie, aber die Pleite steht quasi schon auf der Auffahrt und wartet darauf eingelassen zu werden. Sein Vater ist Alkoholiker, seine Mutter hat mehr für ihre Pferde übrig als für ihren Sohn und Mann und so kommt Sebastian in ein katholisches Internat, dass auch nicht durch Wärme und Liebe glänzt. Seine Umgebung nimmt Sebastian in Farben wahr. Seinen Vater beschreibt er als grünblau, seine Mutter als farblos. Der Vater begeht irgendwann Selbstmord, die Mutter verkauft das Haus und Sebastian wird immer wunderlicher. Ein Arzt diagnostiziert visuelle Halluzinationen.

Nach der Schule setzt Sebastian seine Leidenschaft für Farben in einer Ausbildung zum Fotografen um. Ab da glaubt man, dass Sebastian seinen Weg gehen wird. Einen etwas eigenbrötlerischen Weg, aber den Weg eines Künstlers. Seine Art zu Fotografieren hat etwas sehr ehrliches und schonungsloses. Er fotografiert am liebsten Frauen ohne jeden Schnörkel, einfach echt und ungeschönt. Diese ehrliche Art lässt Sebastian berühmt werden, er findet eine Frau, von der glaubt, sie zu lieben.

Und dann kippt die Geschichte in eine andere Richtung. Der Anwalt Biegler tritt auf und um nicht zu viel zu verraten, höre ich hier auf.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gefallen! Ein gutes Buch mit einem zwar gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, aber dadurch auch einer flüssigen Art. Die Beschreibung des verschrobenen Künstlers ist sehr gut gelungen und erfüllt auch einige Klischees, die man zwangsläufig mit sich herumführt.

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